22. Januar 2026 von Larissa Niedecken

Alle reden über Alignment & kaum jemand schafft es wirklich

In fast jedem Transformationsprojekt höre ich früher oder später denselben Satz:
„Wir müssen jetzt endlich alle an einen Tisch bringen.“
Oder:
„Wir sind uns eigentlich einig, wir müssen es nur noch sauber kommunizieren.“

Und genau hier beginnt das Missverständnis.

Denn Alignment scheitert selten an fehlender Kommunikation.
Es scheitert daran, dass Menschen aus unterschiedlichen Wirklichkeiten handeln und diese Wirklichkeiten selten sichtbar gemacht werden.

In Organisationen wird viel gesprochen. Aber wenig übersetzt.


Warum gleiche Worte unterschiedliche Bedeutungen haben

Wenn Führungskräfte, IT, Fachbereiche und Mitarbeitende über Transformation sprechen, verwenden sie oft dieselben Begriffe. Agilität. Verantwortung. Klarheit. Geschwindigkeit. Kundenzentrierung.

Was dabei übersehen wird:
Diese Begriffe tragen völlig unterschiedliche Bedeutungen je nachdem, aus welchem Erfahrungsraum sie kommen.

Für die IT bedeutet „Agilität“ häufig Autonomie, Iteration und technologische Beweglichkeit.
Für das Management steht derselbe Begriff oft für schnellere Ergebnisse und verlässlichen Output.
Für Mitarbeitende kann Agilität Unsicherheit, zusätzliche Belastung oder fehlende Orientierung bedeuten.

Alle sprechen dieselbe Sprache.
Und meinen etwas völlig anderes.


Wirklichkeiten entstehen aus Erfahrung und Werten

Diese Unterschiede sind keine Meinungsverschiedenheiten.
Sie sind tiefer verankert.

Unsere Wirklichkeiten entstehen aus Erfahrungen, aus gelebten Werten, aus beruflicher Sozialisation. Sie sind geprägt durch Erfolge und Misserfolge, durch die Art, wie Entscheidungen getroffen wurden, wie Fehler behandelt wurden und welche Signale Führung über Jahre gesendet hat.

Deshalb lassen sich diese Wirklichkeiten nicht einfach „wegmoderieren“.
Und sie lassen sich auch nicht durch ein weiteres Alignment-Meeting auflösen.

Alignment scheitert, wenn man davon ausgeht, dass alle dasselbe meinen müssten.
Transformation gelingt erst, wenn Unterschiede sichtbar werden dürfen.


Warum klassische Abstimmung nicht reicht

Viele Organisationen versuchen Alignment herzustellen, indem sie noch mehr abstimmen. Noch ein Meeting. Noch ein Workshop. Noch ein Kommunikationsformat.

Doch Abstimmung ohne Bedeutungsarbeit verstärkt oft genau das Problem, das sie lösen soll. Menschen nicken, stimmen zu, gehen auseinander und handeln anschließend wieder aus ihrer eigenen Wirklichkeit heraus.

Die Folge ist teuer. Studien und Projekterfahrungen zeigen, dass mangelndes Alignment einer der Hauptgründe für Reibungsverluste in Transformationsprogrammen ist. Verzögerungen, Nacharbeiten und interne Konflikte binden Zeit und Energie. Nicht selten verlängern sich Projekte dadurch um Monate bei gleichbleibender oder sinkender Akzeptanz.

Das Problem ist nicht der Wille zur Zusammenarbeit.
Es ist die fehlende Übersetzung.


Alignment ist Übersetzungsarbeit

In meiner Arbeit gehe ich deshalb einen anderen Weg. Ich versuche nicht, Unterschiede zu glätten, sondern sie sichtbar zu machen. Ich arbeite mit Formaten, die Bedeutungen offenlegen, bevor Lösungen gesucht werden.

Ich lasse Menschen zuerst schreiben, bevor sie sprechen.
Ich arbeite mit Visualisierungen, Bildern und Modellen.
Ich lade dazu ein, Begriffe zu erklären, nicht zu verteidigen.

Nicht, um Einigkeit zu erzwingen, sondern um Verständnis zu ermöglichen.

Wenn Menschen sehen, aus welcher Wirklichkeit andere handeln, verändert sich etwas Grundlegendes. Diskussionen werden sachlicher. Spannungen werden benennbar. Verantwortung wird greifbarer.

Alignment entsteht nicht dadurch, dass alle gleich denken.
Es entsteht dadurch, dass alle verstehen, warum andere anders denken.


Warum Werte der unsichtbare Hebel sind

Besonders wirksam wird Alignment-Arbeit, wenn Werte mit einbezogen werden. Nicht als Poster an der Wand, sondern als gelebte Orientierung.

Was ist uns wirklich wichtig, wenn es schwierig wird?
Was wird belohnt, was sanktioniert?
Wie gehen wir mit Unsicherheit um?

Diese Fragen entscheiden darüber, ob Transformation getragen oder blockiert wird. Wenn Werte und Verhalten nicht zusammenpassen, entsteht innere Reibung. Und Reibung kostet Energie.

In Projekten, in denen diese Zusammenhänge bewusst bearbeitet werden, zeigt sich häufig ein klarer Effekt: Entscheidungen werden schneller getroffen, Eskalationen nehmen ab und die Zusammenarbeit wird verbindlicher. Nicht, weil alles harmonisch ist sondern weil Klarheit entstanden ist.


Alignment ist kein Zustand, sondern ein Prozess

Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, Alignment sei etwas, das man einmal herstellt und dann abhakt. In komplexen Systemen verändert sich Alignment ständig. Neue Menschen kommen hinzu, Rahmenbedingungen ändern sich, Prioritäten verschieben sich.

Deshalb verstehe ich Alignment als kontinuierliche Bedeutungsarbeit. Als etwas, das mitläuft. Wie Kultur. Wie Transformation selbst.

Wer Alignment nur am Anfang eines Projekts adressiert, wundert sich später über Widerstände.
Wer es als fortlaufenden Prozess begreift, schafft Stabilität in Bewegung.


Fazit

Alignment scheitert nicht an fehlender Kommunikation, sondern an unsichtbaren Wirklichkeiten.
Menschen handeln aus Erfahrungen, Werten und Prägungen heraus.

Transformation wird dann wirksam, wenn diese Wirklichkeiten sichtbar werden dürfen. Wenn Unterschiede nicht als Störung, sondern als Realität anerkannt werden. Und wenn Führung den Raum schafft, in dem Übersetzung möglich ist.

Nicht durch mehr Abstimmung.
Sondern durch mehr Verständnis.


Trusted Advisor CTA

Ich begleite Führungsteams dabei, Alignment nicht zu verordnen, sondern gemeinsam zu entwickeln. Mit Formaten, die Bedeutungen sichtbar machen, Wirklichkeiten übersetzen und Zusammenarbeit tragfähig gestalten.
👉 Wenn Sie merken, dass viel gesprochen wird, aber wenig gemeinsam verstanden, lohnt sich ein Gespräch.

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