21. August 2026 von Larissa Niedecken

Workshops scheitern selten an der Methode. Sie scheitern an Beziehungen.

Warum Design Thinking und systemisches Coaching zusammengehören: Beobachtungen aus Sparring, Transformation und bereichsübergreifender Zusammenarbeit.

In meinem Job bin ich Sparringspartnerin für Unternehmen, vor allem bei strategischen Neuausrichtungen, Unternehmensnachfolgen und komplexen Digitalisierungsvorhaben, zum Beispiel der Einführung von KI. Oft braucht es dafür mehr als einzelne Workshops. Man muss sich immer das gesamte System anschauen: wie Bereiche miteinander arbeiten, welche Beziehungen im Hintergrund mitschwingen, wo Zusammenarbeit heute schon gut funktioniert und wo nicht.

Gemeinsam mit dem Kunden erarbeite ich deshalb zuerst das Konzept, wie ich das Unternehmen begleite, bevor überhaupt eine einzelne Methode feststeht. Und dann, mitten im Tun, zeigt sich fast immer: Das ursprüngliche Thema allein reicht nicht.

Was im Tun sichtbar wird

Sobald ich mit den Teams tatsächlich arbeite, zeigt sich: Es genügt nicht, gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln. Genauso wichtig ist, dass die Beteiligten überhaupt erst eine andere Art der Zusammenarbeit entwickeln, gerade wenn Bereiche im Raum sitzen, die bisher kaum miteinander gesprochen haben.

Das merke ich live im Workshop. Eine Bemerkung, die mehr über eine alte Rivalität zwischen zwei Abteilungen erzählt als über das eigentliche Thema. Ein Schweigen an einer Stelle, an der inhaltlich eigentlich nichts Kontroverses gesagt wurde. Eine Idee, die im Raum verpufft, weil sie von der falschen Person kam.

An diesen Stellen reicht die klassische Design-Thinking-Methodik allein nicht mehr aus. Ich brauche in diesem Moment ein anderes Werkzeug, um das Team überhaupt wieder arbeitsfähig zu machen.

Warum systemisches Coaching genau da ansetzt

Letztes Jahr habe ich meine systemische Coaching-Ausbildung abgeschlossen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich schon immer sehr coachend gearbeitet habe. Jetzt lasse ich das Handwerkszeug bewusster einfließen, weil ich merke, wie viel Bewegung sich allein durch systemische Fragen erzeugen lässt.

Neben der Facilitation sind es die systemischen Coaching-Skills, die mir in diesen Momenten helfen. Design Thinking arbeitet mit Methoden, die neue Ideen sichtbar machen. Systemisches Coaching arbeitet mit den Beziehungen und Mustern zwischen den Menschen, die diese Ideen gemeinsam tragen sollen. Sobald mehrere Bereiche zusammenarbeiten müssen, braucht es in der Regel beides.

Wenn ich in einem Workshop merke, dass eine Gruppe kreativ blockiert ist, liegt das selten an fehlender Methodenkompetenz. Es liegt daran, dass zwischen den Beteiligten etwas ungeklärt ist, das mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hat, aber jede gemeinsame Entscheidung beeinflusst. Erst wenn dieses Etwas einmal benannt wurde, wird das Team wieder arbeitsfähig für die eigentliche Aufgabe. Ein Teilnehmer hat das in einem meiner letzten Workshops so formuliert: „Ich glaube, wir streiten gerade über das Budget, aber eigentlich geht es um etwas anderes.“ In dem Moment war klar, dass die Methode gerade zweitrangig war.

Mit Führungskräften diskutiere ich genau diese Frage häufig in Vorträgen und Workshops: Woran scheitert Zusammenarbeit wirklich, an der Methode oder an dem, was zwischen den Menschen nie ausgesprochen wurde?

Business Impact

Workshops, die rein methodisch durchgezogen werden, ohne auf diese Blockaden zu reagieren, produzieren häufig viele Ideen und wenig Umsetzung. Die Beteiligten gehen zurück in ihre Bereiche, und die alten Muster übernehmen wieder die Kontrolle über die Zusammenarbeit.

Wird im Prozess selbst nachgesteuert, verändert sich etwas Grundlegenderes als das Ergebnis des einzelnen Workshops: die Fähigkeit der beteiligten Bereiche, überhaupt miteinander zu arbeiten. Das wirkt über das einzelne Projekt hinaus, in jeder folgenden Zusammenarbeit zwischen denselben Menschen.

Fazit

Ich habe lange gedacht, ich mache Design-Thinking-Workshops. Inzwischen würde ich sagen: Meine Arbeit ist ein permanenter Wechsel zwischen den Tools und Methoden, die ein Team langfristig voranbringen. Mal ist das eine Design-Thinking-Technik für die Idee, mal eine systemische Frage für die Fähigkeit, diese Idee überhaupt gemeinsam zu tragen. Die Methode ist selten das Problem. Die Beziehung dahinter meistens schon. Genau das ist die Gestalter-Lücke, die ich in den meisten Teams sehe: Menschen könnten gemeinsam gestalten, aber die Beziehung zwischen ihnen lässt es gerade nicht zu. Genau darum geht es in meiner Arbeit: Menschen wieder zu Gestaltern zu machen, gemeinsam statt gegeneinander.

Sprechen Sie mich an

Wenn Ihr letzter Innovationsworkshop viele gute Ideen, aber wenig Umsetzung hinterlassen hat, lohnt sich ein Blick auf die Zusammenarbeit im Team selbst, nicht nur auf die Methode.

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